Presseessen

Ich bin kein Freund von Menschenmassen. Ich bin auch kein Sportfanatiker.

Denkbar schlechte Eigenschaften um zu einem Fussbal-Bundesliga-Spiel von Borussia Mönchengladbach zu fahren. Könnte man meinen, aber seit der Fußball WM ist bei mir ein gewisses Interesse für Fußball hängen geblieben. Dazu kam dann noch ein Praktikum bei einer der besten Design-Agenturen in Aachen, die für die Borussia MG das gladbach** Magazin gestalten. Ich bin zwar immer noch kein 100 prozentiger Fußballfan, aber ein Interesse an diesem Sport ist geweckt. Mittlerweile hab ich sogar schon ein Autogramm von Jung-Nationalspieler Marcel Jansen. Was ein ziemlicher Fortschritt für meine Autogrammsammlung ist denn bis jetzt war mein einziges Autogramm von Rolf Zuckowski, welches ich anlässlich eines Konzertes in unserer Schule bekam. Ich hatte nicht mal eins gewollt, aber jeder hat halt eins bekommen und mit 11 Jahren hat man noch kein Gespür für Peinlichkeiten. Aber ich schweife ab.

Trotz dieses neuen Interesses für Fußball, stehe ich Besuchen in Bundesligastadien zu Spitzenspielen nicht gerade enthusiastisch gegenüber. Denn da bleibt immer noch meine Angst vor Menschenmassen. Gerade dann wenn viele dieser Menschen in den Massen Hardcore-Fußballfans sind, die sich in den Farben ihres Clubs hüllen und ihre Lieblingsspieler, durch Bier enthemmt, von den Nordkurven und Westwällen anschreien, sie sollen doch mal über links gehen „…du Arsch!“ oder den Ball mal „…abgeben und verdammter Asi!“.

Aber es gibt da auch Ausnahmen. Zum Beispiel wenn ich mit den lieben Kollegen der Agentur dorthin fahre um Fotos für das Magazin zu machen. Dann gibt’s nämlich auch immer diese schönen All-Areas-Pressekarten. So nun auch wieder beim letzten Spiel der Borussia gegen Hannover96. Das Spiel war ziemlich schlecht, aber ich hatte viel Spaß mit meinem Presseausweis. Und eins kann ich euch sagen, das Catering für die Presseleute unterscheidet sich nicht von dem in der VIP-Lounge!

Beides ist sehr lecker. Aber Jever im Rheinland? Naja, war ja umsonst.

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Elfter im Elften

Wie ihr ja wisst bin ich ein Vorzeige-Ost-Westfale und mir wurde somit eine Urangst dem Karneval gegenüber schon mit in die Wiege gelegt.
Nachdem ich ja nun gut zwei Jahre im Rheinland lebe kann ich mich dem Karneval nur schwer entziehen. Zweimal hat dies ja schon recht gut geklappt, aber in Anbetracht dessen, das ich eventuell im neuen Jahr nach Köln ziehen werde und somit diesem Wahnsinn nicht mehr so einfach entkommen kann, setze ich dieses Mal auf eine andere Strategie. Nämlich die der bedingungslosen Konfrontation! Mitmachen um jeden Preis!

Samstag wurde also wieder die Jeckensaison pünktlich um 11:11Uhr eingeläutet und ich war dabei.
Mir ging ziemlich die Muffe und eigentlich sollten wir uns schon um 13Uhr mit unseren alt eingesessenen Kölner Freunden auf der Zülpicher Straße treffen, aber wir schafften es erst sieben Stunden später. Ein großer Fehler, dass kann ich euch sagen. Kreuznüchtern Karneval in Köln unterwegs zu sein ist kein Spaß und erfordert viel viel Toleranz. Es war dann schon ein kleines Wunder, das wir dann unsere Freunde doch in diesen tanzenden, kotzenden und unlustiglustigen Menschenmassen gefunden haben. Auch sie wirkten nicht mehr ganz so „frisch“. Nach ungefähr 20 Minuten in den Menschenmassen auf der Zülpicher war meine Toleranz aufgebraucht und ich war kurz davor dieses Experiment ab zu brechen. Als wir dann noch mit in die Kneipe „Pumakäfig“ genötigt wurden wollte ich nur noch weg.

Aber es kam ganz anders. Nach ein paar Minuten untätigen Rumstehens zog man mich in einen schwofenden Kreis Feiernden die aus voller Kehle Karnevalslieder sangen und ließen mich nicht mehr entkommen. Prompt wurde mir noch ein rumliegender Strohhut verpasst. Mit diesem Accessoire fühlte ich mich schon gar nicht mehr so fehl am Platze.
Das in Strömen fließende Kölsch, Jägermeister und diverse an mir vorgenommenen Gesichtsbemalungen taten ihr übriges, diesen Abend doch noch sehr nett zu gestalten. Aber am meisten Danke ich den Damen und Herren auf diesen Bildern, die mich in die Geheimnisse des Kölschen Karnevals einführten. Ihr habt mich geheilt.

Jetzt freu ich mich sogar auf Rosenmontag.

karneval

Gutes tun

Nach dieser Limo-Geschichte musste ich mal wieder was Gutes tun, um mein leicht angekratztes soziales Gewissen zu beruhigen. Also warum nicht Plasmaspenden?
Bevor ich aber durfte, musste ich 5 Zettel zu meinem Gesundheitsbefinden ausfüllen, 3 Merkblätter lesen, 1 Frage- und Antworttest bestehen und schon durfte ich meine Vene zur Nadel bewegen.
Nein, doch nicht, erst musste ich noch untersucht werden, von einem angehenden Zahnarzt.
„Wie Zahnarzt? Umschüler?“ GrinsGrins.
„Ja, ne. Also ein wenig Allgemein Medizin wird uns auch bei gebracht. Aber nicht viel“ ZwinkerZwinker.
„So Herr Horstmann, dann machen sie sich mal bitte frei!“
Husten, klopfen, drücken, Liege, umdrehen.
Alles mit einer Schnelligkeit die wohl routiniert wirken soll, aber wenn ich wirklich was hätte, er dies so bestimmt nicht merken würde.
„Ja, also sich können sich dann wieder anziehen. Alles TipTop. Viel Spaß bei der Spende.“
„Äh ja, gucken wir mal wie viel Spaß das machen kann.“ erwidere ich, aber der Zahnarzt in Spe hört eh nicht mehr zu und blättert in einem Katalog für Golfzubehör. Klischeerfüllung denke ich und gehe Richtung „Spendesaal“.
In diesem sehr großen Raum stehen ungefähr 35 sehr bequem aussehende Liegestühle. Aber gerade mal zwei sind besetzt und ich überlege wozu die hier so viele Stühle haben, als eine Pflegerin, oder wie immer diese Frauen mit weißen Kitteln heißen, kommt und mir eine Liege aussucht. Da dies ja mein erstes Mal ist erklärt mir die überaus freundliche aber sehr aufgekratzte Frau das Gerät, durch das gleich mein Blut fließen wird. Sie erklärt mir wohl gerade, dass mein Blut in dieses Gerät fließt, dort das Plasma vom Blut getrennt wird und dieses dann wieder ohne Plasma zurück gepumpt wird. Dann erklärt sie mir noch diese ganzen anzeigen auf dem Gerät, aber da sie sehr schnell spricht verstehe ich nicht alles und bekomme schon ein wenig Angst. Aber zum Schluss sagt sie noch: „Kurz gesagt, wenn irgendwas nicht stimmt, einfach die Hand heben.“
Was dann in diesem Fall geschehen soll weiß ich nicht, aber zumindest bin ich beruhigter.
Dann Arm frei machen und dann muss sie sich auch schon entscheiden welchen meiner beiden Arme sich penetrieren will.
„Ui…das sieht ja gut aus. Um diese Venen würde sie jeder Junkie beneiden. Prima, dann nehmen wir dann doch gleich diese hier.“ Und ZACK, da ist sie auch schon mit dieser großen Nadel in meinem Arm verschwunden. Tat gar nicht weh, aber das kann man wohl zwangsläufig gut, wenn man das circa 100-mal am Tag macht.
Die Maschine fängt an zu blinken und schon läuft mein Blut durch den Schlauch. Es ist doch schon ein sehr komisches Gefühl, wenn einem das eigene Blut in diesem durchsichtigen Schlauch warm über den Arm läuft, bevor es dann in dieser Maschine verschwindet.
Nach ein paar Minuten läuft das erste Plasma in einen Beutel. Kurz danach sagt mir die Maschine, dass sie mein Blut zurück pumpt um es dann danach wieder zurücklaufen zu lassen. Insgesamt wiederholt sich dieser Vorgang viermal und nach ungefähr 40 Minuten ist der Plasmabeutel prall gefüllt.
Dann kommt wieder die Pflegerin und stöpselt mich ab und ist dann auch schon wieder weg.
Ich bekomme meine 12,50 Euro und einen neuen Termin zum spenden.
7 Tage bis zur nächsten Spende, mal gucken wie lange dies mein Körper aushält.

Plasmaspenden